„Was tat sich in Selent von 1900 bis 1910″ – Vortrag v. O. Weisner

10. April 2000
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„Was tat sich in Selent von 1900 bis 1910″

Vortrag von Olga Karoline Weisner


Mühle auf dem Kleinen Heidbarg, im Hintergrund Selent (Hans Harländer, 1947)Vor hundert Jahren kannte man die weltweite Sorge, ob Computer der Zeitrechnung folgen würden, noch nicht. Aber auch damals war die Jahrhundertwende ein Ereignis, das in Selent bewußt und mit Blick nach vorn erlebt wurde. In der Schulchronik kann man dazu nachlesen:„Das Jahr 1899 klang am 23. 12. 1899 mit einer Jahrhundertfeier in der Schule aus, in deren Ansprache die Fragen beantwortet wurden; 1. Was hat das alte Jahrhundert uns gebracht? 2.Was nehmen wir ins neue Jahrhundert mit hinein?“ .
Die damals gegebenen Antworten kennen wir zwar nicht, aber wir können die Entwicklung Selents im ersten Jahrzent des 20. Jahrhunderts gut nachvollziehen. Die ortsansässigen Unternehmen waren der Kern des Selenter Wirtschaftslebens, und sie bestimmten maßgeblich die wirtschaftliche Entwicklung. Daneben prägten drei weitere übergeordnete Größen das Leben im Dorf in besonderer Weise: Kirche, Gutsherrschaft und Blomenburg.

Als Kirchspielort, die mächtige St. Servatius-Kirche im Zentrum, hatte das Dorf eine wichtige Funktion für die umliegenden Orte und der Pastor eine dominierende Stellung. Auf die wirtschaftliche Entwicklung nahm die Kirche wahrscheinlich keinen besonderen Einfluß. Da aber die Kirche in dieser Zeit auch für die Schulen verantwortlich war, hatte sie großen Einfluß auf die Heranbildung und Qualifizierung des Nachwuchses. Von 1893 bis 1934 war Christian Untermann Pastor in Selent. Er legte großen Wert darauf, daß die Eltern an den Schulprüfungen teilnahmen und er tat noch mehr: Wer mehr lernen wollte, als in Schule und Konfirmanden­unterricht geboten wurde, konnte zum Pastor gehen. Er bot Unterricht in Englisch, Französisch, Latein und Deutsch an. Außerdem prägte Pastor Untermann durch die monatlichen Kirchenblätter das damalige „Infor­mationswesen“. Eine besondere Funktion der Kirche lag im sozialen Bereich, z.B. in der Hilfe für Bedürftige.

Verwaltungsmäßig gehörte das Dorf zum Gut Lammershagen. Hufen­stellen waren zwar bereits in Eigentum übergegangen, aber manches Haus und Land gehörte nach wie vor dem Gutsherrn. Ab 1862 war Robert Miles Sloman der Besitzer des Gutes Lammershagen. Er starb 1900 und ein Jahr später verkauften seine Erben das Gut an Carl Hirschberg. Der ihm gegenüber verantwortliche „Bauernvogt“ war der Hufner Heinrich Otto Paustian. Der Lammershagener Förster war der zuständige Amts-Vorsteher und Standesbeamte. Bei ihm mußten z.B. Bauanträge eingereicht werden, die er nach „Ploen zum Königlichen Landrath Herrn zu Rantzau hochgeboren“ weitergab. Zahlreiche Selenter hatten ihren Arbeitsplatz auf dem Gut. Auf einer Ansichtskarte sind elf Personen zu sehen und darunter steht geschrieben: „Personal des Herrenhauses“. Im Kirchspiel Selent gab es außer Lammershagen noch die Herrenhäuser auf Gut Wittenberg und auf Gut Salzau mit weiteren Arbeitsplätzen für die Landbevölkerung.

Eine besondere Bedeutung für das Dorf hatte die gräfliche Familie auf der Blomenburg. Adeline Gräfin von Hardenberg, Tochter des Erbauers der Blomenburg Otto Graf Blome, wohnte von 1878 bis zu ihrem Tode 1908 als Witwe auf der Burg. Zur Pflege der Burg und des Parks und zur Bedienung wurden zwei Kutscher, zwei Diener, eine Mamsell, eine Jungfer, ein Küchenmädchen, ein Obstgärtner und zwei Lehrlinge einge­stellt. Außerdem halfen täglich weitere Männer und Frauen.


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